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Einleitung

Die wechselseitigen Beziehungen zwischen Zähnen und Zahnhalteapparat, den Kiefergelenken, dem zentralen und peripheren Nervensystem sowie der Muskulatur bestehen aus Regelkreisfunktionen, die im gesunden stomatognathen System koordinierte Bewegungsabläufe beim kauen, schlucken und sprechen gewährleisten. Dabei sind die räumlichen Bewegungsgrößen der paarig angelegten Kiefergelenke ein wesentlicher Bestandteil der Unterkieferbewegung, die durch neuromuskuläre Steuerung kybernetischen Regeln unterliegen.

In den 60er/70er Jahren..

standen mathematisch-geometrischen Gesichtspunkte der Unterkieferbewegungen im Vordergrund einer "Artikulationslehre" des Kauorgans. Die damaligen Verfahren zur räumlichen Erfassung von Kiefergelenksbewegungen dienten vornehmlich der Justierung von Artikulatoren, um mit deren Hilfe individuell hergestellten Zahnersatz, vorwiegend totale Prothesen, anfertigen zu können. Aufgrund einer rein mechanistischen Denkweise wurden funktionelle Aspekte des stomatognathen Systems in den folgenden Jahrzehnten fast ausschließlich auf die möglichst genaue Nachahmung einer vorgegebenen Kiefergelenksgeometrie mit dem Ziel der gelenkbezüglichen Wiederherstellung von Kauflächen beschränkt, und es entstand ein regelrechter Wettlauf nach immer besser und genauer justierbaren Artikulatoren. Heute wissen wir, dass die bei unseren Patienten in zunehmendem Maße notwendige Funktionsdiagnostik des stomatognathen Systems weit über eine rein mechanische Artikulationslehre hinausgehen muss.

So haben Funktionsstörungen..

des stomatognathen Systems in der Regel inkoordinierte Muskelaktivitäten zur Folge, die sich unter anderem als Muskelverspannungen und veränderte Bewegungsabläufe äußern, was zu unphysiologischen Belastungen und einer Traumatisierung aller beteiligten Gewebe führen kann. Aus zahnmedizinischer Sicht sind als Ursache hierfür hauptsächlich eine gestörte Okklusions- und Kiefergelenkfunktion von Bedeutung, jedoch stellen beispielsweise psychische Disposition und situative Stressbelastung nicht zu unterschätzende Faktoren dar, Aus diesem und vielen anderen Gründen kann eine reine Artikulationslehre nur Teil einer umfassenden klinischen und instrumentellen Funktionsdiagnostik sein, welche bei Verdacht auf funktionelle Erkrankungen des stomatognathen Systems und vor größeren restaurativen Eingriffen routinemäßig durchgeführt werden sollte.

Zahnärztliche Praxis Dr. Muhle und Partner

Gemeinsam für schöne gesunde Zähne.